Block 11 · Verrechnungspreise / Transfer Pricing

Die FAR-Analyse: Funktionen, Risiken, Vermögenswerte

Das Wesentliche in Kürze

  • Die FAR-Analyse gehört zu den wichtigsten Instrumenten des Verrechnungspreisrechts.
  • FAR steht für Funktionen (Functions), Vermögenswerte (Assets) und Risiken (Risks).
  • Nahezu jede Verrechnungspreisanalyse beginnt mit einer FAR-Untersuchung.
  • Ziel ist die Ermittlung, welche Gesellschaft welchen Anteil an der Wertschöpfung erzeugt.
  • Wer die FAR-Analyse versteht, versteht den Kern moderner Verrechnungspreise.

Die wichtigste Analyse im Verrechnungspreisrecht

Viele Unternehmer glauben, Verrechnungspreise seien vor allem eine Frage von Zahlen. Tatsächlich beginnt jede professionelle Analyse mit dem Verständnis des Geschäftsmodells.

Bevor Preise bestimmt werden können, muss geklärt werden: Wer macht was? Wer trägt welche Risiken? Wer besitzt welche Vermögenswerte? Genau das beantwortet die FAR-Analyse.

Teil 1: Funktionen

Funktionen beschreiben die Tätigkeiten einer Gesellschaft – Forschung und Entwicklung, Produktion, Vertrieb, Marketing, Finanzierung, Management, Kundenbetreuung, Logistik.

Entwickelt Gesellschaft A Software, verkauft B sie und übernimmt C den Support, leisten alle drei unterschiedliche Beiträge. Deshalb können sie nicht denselben Gewinnanteil beanspruchen.

Teil 2: Risiken

Wer Risiken trägt, soll grundsätzlich auch die Chance auf höhere Gewinne erhalten. Typische Risiken sind Markt-, Kredit-, Produkthaftungs-, Währungs-, Entwicklungs- und Investitionsrisiken.

Risiken auf dem Papier reichen nicht – entscheidend ist, wer das Risiko tatsächlich kontrolliert.

Übernimmt eine Gesellschaft vertraglich Risiken, während eine andere alle Entscheidungen trifft, wird diese Zuordnung kritisch hinterfragt.

Teil 3: Vermögenswerte

Der dritte Bestandteil betrifft die eingesetzten Vermögenswerte – Maschinen, Immobilien, Software, Patente, Marken, Datenbanken, Kundenbeziehungen. Besonders immaterielle Wirtschaftsgüter spielen heute eine enorme Rolle.

Die FAR-Analyse fragt nicht nur, wer sie besitzt, sondern vor allem: Wer entwickelt, kontrolliert und nutzt sie?

Die Grundidee und die Verbindung zum Fremdvergleich

Der zentrale Gedanke lautet: Gewinne sollen dort entstehen, wo Funktionen ausgeübt, Risiken getragen und Vermögenswerte eingesetzt werden. Je größer der wirtschaftliche Beitrag, desto größer der mögliche Gewinnanteil.

Der Fremdvergleichsgrundsatz fragt, wie unabhängige Unternehmen handeln würden – die FAR-Analyse liefert die Grundlage für diese Antwort. Deshalb kann die wirtschaftliche Realität erheblich vom Organigramm abweichen.

Fazit

Die FAR-Analyse untersucht Funktionen, Risiken und Vermögenswerte jeder Gesellschaft und bildet die Grundlage für die fremdübliche Gewinnverteilung. Die moderne Steuerwelt fragt: Wer schafft den wirtschaftlichen Wert?

Ein Bestandteil verdient besondere Aufmerksamkeit, weil er Gewinne und Verluste maßgeblich rechtfertigt. Der nächste Artikel vertieft die Frage: Wer trägt das wirtschaftliche Risiko?

Fachliche Einordnung

Ihre Situation gehört in fachkundige Hände

Die Fachbibliothek vermittelt Grundlagen. Ihre konkrete Konstellation – mit allen Wohnsitz-, Ansässigkeits- und Strukturfragen – verdient eine individuelle Prüfung.

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