Guido Möller - Strategieberatung
Block 2 · Risiko & Krise

Sanierung außerhalb der Insolvenz

Das Wesentliche in Kürze

  • Sanierung außerhalb der Insolvenz sucht die Gesundung im Einvernehmen mit den Beteiligten – ohne den Gang zum Gericht.
  • Sie beruht auf Freiwilligkeit: Gläubiger, Gesellschafter und Partner müssen den Sanierungsbeiträgen zustimmen.
  • Ihr Vorteil ist Diskretion und Erhalt der Kontrolle; ihre Grenze ist erreicht, wenn Einzelne blockieren.
  • Ein tragfähiges Sanierungskonzept mit belastbaren Zahlen ist die Voraussetzung dafür, dass die Beteiligten mitziehen.

Gesundung im Einvernehmen

Die Sanierung außerhalb der Insolvenz – oft freie oder außergerichtliche Sanierung genannt – zielt darauf, ein angeschlagenes Unternehmen wieder gesund zu machen, ohne ein gerichtliches Verfahren einzuleiten. Sie beruht ganz auf dem Einvernehmen der Beteiligten.

Das unterscheidet sie grundlegend von der Insolvenz: Während dort ein Gericht und ein Verwalter Eingriffe auch gegen Widerstand durchsetzen können, hängt die freie Sanierung davon ab, dass Gläubiger, Gesellschafter und Partner freiwillig ihre Beiträge leisten – Stundungen, Verzichte, frisches Kapital.

Die Beiträge der Beteiligten

Eine freie Sanierung gelingt nur, wenn mehrere Parteien zusammenwirken:

  • Gläubiger: durch Stundung, Teilverzicht oder Umwandlung von Schulden
  • Gesellschafter: durch frisches Kapital oder Rangrücktritt
  • Banken: durch Verlängerung oder Aufstockung von Linien
  • Partner: durch angepasste Konditionen bei Lieferanten oder Vermietern

Jeder Beitrag ist freiwillig – und genau darin liegt die Herausforderung. Die Beteiligten leisten ihn nur, wenn sie überzeugt sind, dass die Sanierung gelingt und ihnen mehr bringt als eine Insolvenz.

Vorteile und Grenzen

Der große Vorteil der freien Sanierung ist ihre Diskretion: Sie findet ohne öffentliches Verfahren statt, wahrt den Ruf des Unternehmens und lässt die Kontrolle bei der bestehenden Führung. Kunden und Markt bemerken sie im Idealfall gar nicht.

Ihre Grenze ist die Freiwilligkeit. Sobald ein einzelner wichtiger Gläubiger blockiert – etwa auf voller Zahlung besteht –, kann er die gesamte Sanierung zum Scheitern bringen. In der Insolvenz oder im Restrukturierungsrahmen ließe sich ein solcher Blockierer überstimmen, in der freien Sanierung nicht. Wo Einigkeit unerreichbar ist, stößt sie an ihre Grenze.

Das Konzept überzeugt

Damit die Beteiligten mitziehen, braucht es ein tragfähiges Sanierungskonzept – eine belastbare Darstellung, warum das Unternehmen in die Schieflage geriet, welche Maßnahmen es herausführen und warum die Sanierung erfolgversprechend ist.

Dieses Konzept ist das Herzstück. Es muss mit realistischen Zahlen unterlegt sein und darf keine Wunschrechnung sein, denn erfahrene Gläubiger durchschauen Beschönigung. Ein glaubwürdiges Konzept, das den Beteiligten zeigt, dass Mitwirken sich lohnt, ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche freie Sanierung.

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