Benchmarking im Verrechnungspreisrecht
Das Wesentliche in Kürze
- Benchmarking ist das Herzstück vieler moderner Verrechnungspreisanalysen.
- Ziel ist der Vergleich einer konzernverbundenen Gesellschaft mit unabhängigen Unternehmen.
- Besonders die TNMM basiert häufig auf Benchmark-Studien.
- Die Qualität der Vergleichsunternehmen entscheidet über die Qualität der gesamten Analyse.
- Die größte Herausforderung liegt in der Auswahl wirklich vergleichbarer Unternehmen.
Mit wem vergleichen wir eigentlich?
Ist die Methode gewählt, folgt die nächste zentrale Frage: Mit wem vergleichen wir? Verrechnungspreise beruhen nicht auf Vermutungen, sondern auf Vergleichen mit unabhängigen Unternehmen.
Der Fremdvergleich verlangt, dass verbundene Unternehmen sich wie unabhängige verhalten – woher man weiß, wie diese handeln, beantwortet das Benchmarking.
Vergleichbarkeit vor Berechnung
Eine Verrechnungspreisanalyse ist immer nur so gut wie ihre Vergleichsdaten. Selbst die beste Methode liefert schlechte Ergebnisse, wenn die Vergleichsunternehmen ungeeignet sind.
Vergleichbarkeit vor Berechnung.
Erzielt eine konzerninterne Vertriebsgesellschaft 1 % Marge, während vergleichbare unabhängige Händler 5–7 % erzielen, entsteht ein erhebliches Prüfungsrisiko.
Die Filterstufen
Aus tausenden Unternehmen in internationalen Datenbanken werden die vergleichbaren herausgefiltert – stufenweise:
- Branche – die wirtschaftliche Tätigkeit muss vergleichbar sein,
- Funktionen – Vertrieb, Produktion, Dienstleistung, Forschung,
- Risiken – Routinegesellschaft oder Träger großer Risiken,
- Vermögenswerte – insbesondere bedeutende immaterielle Werte.
Grundlage bleibt stets die FAR-Analyse: Nur wenn Funktionen, Risiken und Vermögenswerte bekannt sind, lassen sich passende Vergleichsunternehmen finden.
Bandbreiten und der Median
Benchmarking liefert selten einen einzigen Wert, sondern eine Bandbreite – etwa unteres Quartil 2,1 %, Median 3,0 %, oberes Quartil 4,2 %. Sie spiegelt die Unterschiede zwischen den Vergleichsunternehmen wider.
Viele Studien orientieren sich am Median, der den mittleren Wert repräsentiert und extreme Ausreißer reduziert. Es geht nicht um perfekte Identität, sondern um ausreichende Vergleichbarkeit.
Der häufigste Streitpunkt
Die größte Gefahr ist die falsche Auswahl der Vergleichsunternehmen. Deshalb prüfen Betriebsprüfer zuerst die Suchstrategie, die Filterkriterien und die Vergleichsgruppe – nicht die Berechnung.
Viele Streitigkeiten drehen sich nicht um die Marge, sondern um die Vergleichsunternehmen, weil unterschiedliche Gruppen zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen.
Fazit
Benchmarking vergleicht die Ergebnisse verbundener Unternehmen mit unabhängigen Marktteilnehmern und bildet die Grundlage vieler Analysen. Die entscheidende Herausforderung liegt nicht in der Berechnung, sondern in der Auswahl wirklich vergleichbarer Unternehmen.
FAR, Methode und Benchmark müssen schließlich nachvollziehbar festgehalten werden. Der nächste Artikel behandelt die Verrechnungspreisdokumentation.
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