Wann welche Verrechnungspreismethode?
Das Wesentliche in Kürze
- Es gibt keine universell beste Verrechnungspreismethode.
- Die OECD verlangt die wirtschaftlich geeignetste Methode für den jeweiligen Sachverhalt.
- Die Auswahl hängt von Funktionen, Risiken, Vermögenswerten und verfügbaren Vergleichsdaten ab.
- Direkte Preisvergleiche werden bevorzugt, wenn ausreichend vergleichbare Daten vorliegen.
- Die Methodenwahl gehört zu den wichtigsten strategischen Entscheidungen im Verrechnungspreisrecht.
Die häufigste Frage
Nachdem die Methoden bekannt sind, folgt fast immer dieselbe Frage: Welche soll ich verwenden? Die Antwort überrascht viele – es gibt keine, die immer richtig oder immer falsch ist.
Die OECD fragt stattdessen: Welche Methode bildet den konkreten Sachverhalt am zuverlässigsten ab? Es existiert keine starre gesetzliche Reihenfolge.
Die erste Grundfrage
Jede Analyse beginnt mit einer einfachen Frage: Gibt es einen zuverlässigen Marktvergleich? Lautet die Antwort ja, wird häufig die CUP-Methode bevorzugt – etwa bei Rohstoffen, standardisierten Produkten, Finanzierungen und börsennotierten Gütern.
Lautet die Antwort nein – bei einzigartiger Software, Patenten, exklusiven Marken oder individuellen Dienstleistungen –, müssen andere Methoden eingesetzt werden.
Die Zuordnung nach Gesellschaftstyp
Als grobe Orientierung gilt:
- Routinedienstleister und Auftragsfertiger → Kostenaufschlagsmethode,
- Vertriebsgesellschaften → Wiederverkaufspreismethode oder TNMM,
- Routinegesellschaften ohne direkte Preisvergleiche → TNMM,
- mehrere Gesellschaften mit gemeinsamer Wertschöpfung → Profit Split.
Je wichtiger immaterielle Werte werden, desto stärker gewinnen TNMM und Profit Split an Bedeutung.
Die Rolle von FAR und Datenlage
Die Methodenwahl beginnt nicht mit Zahlen, sondern mit der FAR-Analyse: Erst wenn Funktionen, Risiken und Vermögenswerte feststehen, ergibt sich die geeignete Methode. Zugleich gilt: Die beste Methode nützt nichts ohne belastbare Vergleichsdaten.
Theoretisch gelten direkte Preisvergleiche oft als besonders überzeugend; praktisch zwingt die fehlende Datenlage Unternehmen häufig zur TNMM oder zum Profit Split.
Warum Betriebsprüfungen daran hängen
In vielen Prüfungen wird nicht über Zahlen gestritten, sondern über die Methode – denn eine andere Methode kann das Ergebnis erheblich verändern.
Unternehmer suchen oft die steuerlich günstigste Methode, die Finanzverwaltung die wirtschaftlich aussagekräftigste – daraus entstehen die meisten Konflikte.
Fazit
Die Methodenwahl ist eine der wichtigsten Entscheidungen im internationalen Steuerrecht. Maßgeblich sind Funktionen, Risiken, Vermögenswerte und Vergleichsdaten – nicht, welche Methode die einfachste ist, sondern welche die Realität am besten beschreibt.
Jede Methode braucht Vergleichsdaten. Der nächste Artikel widmet sich deshalb dem Benchmarking und der Auswahl von Vergleichsunternehmen.
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