Immaterielle Wirtschaftsgüter (Intangibles)
Das Wesentliche in Kürze
- Immaterielle Wirtschaftsgüter (Intangibles) gehören zu den wichtigsten Werttreibern moderner Unternehmen.
- Dazu zählen Marken, Patente, Software, Daten, Algorithmen und Know-how.
- Die Bewertung von Intangibles gehört zu den schwierigsten Bereichen des Verrechnungspreisrechts.
- Die OECD konzentriert sich weniger auf formales Eigentum und stärker auf die tatsächliche Wertschöpfung.
- Das DEMPE-Konzept bildet die Grundlage moderner Analysen bei immateriellen Wirtschaftsgütern.
Die wertvollsten Vermögenswerte sind unsichtbar
Vor wenigen Jahrzehnten bestand der Unternehmenswert aus Fabriken, Maschinen, Grundstücken und Lagerbeständen. Heute besitzen die wertvollsten Unternehmen oft wenig physische Vermögenswerte – ihr Wert entsteht durch Software, Daten, Marken, Patente, Algorithmen und geistiges Eigentum.
Die OECD verwendet den Begriff Intangibles für wirtschaftliche Werte ohne physischen Charakter, die wirtschaftliche Vorteile erzeugen und kontrolliert werden können. Sie stellen häufig den wichtigsten Vermögenswert moderner Unternehmen dar.
Typische Beispiele
Zu den wichtigsten Intangibles gehören:
- Technologische Intangibles – Patente, Software, Algorithmen, Produktionsverfahren, technisches Know-how,
- Marketing Intangibles – Marken, Logos, Kundenbeziehungen, Vertriebsnetzwerke, Marktpositionen,
- Datenbasierte Intangibles – Datenbanken, Nutzerdaten, KI-Modelle, Plattformdaten.
Der wirtschaftliche Wert von Software-, Pharma-, Technologie- und Medienunternehmen entsteht heute fast vollständig durch immaterielle Werte. Die zentrale Frage lautet: Wem gehören die daraus entstehenden Gewinne?
Warum Intangibles so schwierig sind
Bei Maschinen existieren oft Marktpreise – bei einzigartiger Software oder einer weltbekannten Marke nicht. Jedes Intangible besitzt individuelle Eigenschaften, deshalb fehlen häufig direkte Vergleichspreise, identische Markttransaktionen und objektive Bewertungsmaßstäbe.
Entwickelt eine Gruppe eine Software in Land A, hält die rechtliche Eigentümergesellschaft in Land B und vermarktet sie in Land C, stellt sich die Frage: Welcher Staat darf welche Gewinne besteuern? Genau hier beginnt die Verrechnungspreisanalyse.
Von der Eigentumslogik zur Wertschöpfung
Früher stand das rechtliche Eigentum im Mittelpunkt: Wer das Patent besitzt, erhält die Gewinne; wer die Marke hält, erhält die Lizenzgebühren. Dieses Modell prägt viele ältere Konzernstrukturen.
Die zentrale Frage lautet heute nicht „Wer besitzt das Intangible?", sondern „Wer schafft den wirtschaftlichen Wert?"
Zur Beantwortung dient das DEMPE-Konzept (Development, Enhancement, Maintenance, Protection, Exploitation). Besitzt eine Holding eine Marke, während operative Gesellschaften jährlich Millionen in Werbung, Markenaufbau und Kundenbindung investieren, fragt die OECD, wer den Markenwert tatsächlich erzeugt.
Bewertung, Lizenzgebühren und Daten
Intangibles werden häufig konzernintern genutzt, wodurch Lizenzgebühren und Nutzungsentgelte entstehen, die die internationale Gewinnverteilung unmittelbar beeinflussen. Mögliche Bewertungsansätze sind Marktvergleich, Lizenzanalogie, Ertragswertverfahren und Gewinnaufteilungsmethoden – keine Methode ist universell anwendbar.
Besonders umstritten sind Marketing Intangibles (erzeugt die lokale Vertriebsgesellschaft eigene Markenwerte?) und datenbasierte Intangibles bei Plattform- und KI-Unternehmen. Typische Fehler sind der Fokus auf Eigentum statt Wertschöpfung, unzureichende DEMPE-Analysen und unrealistische Lizenzsätze.
Fazit
Die OECD betrachtet bei Intangibles nicht mehr allein das rechtliche Eigentum, sondern vor allem die tatsächliche Wertschöpfung durch DEMPE-Funktionen, Risikokontrolle und wirtschaftliche Aktivitäten.
Die wichtigste Frage lautet: Wer hat den wirtschaftlichen Wert geschaffen, kontrolliert und weiterentwickelt? Der nächste Artikel betrachtet Software und digitale Geschäftsmodelle.
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