Block 11 · Verrechnungspreise / Transfer Pricing

Verrechnungspreise bei Software und digitalen Geschäftsmodellen

Das Wesentliche in Kürze

  • Software und digitale Geschäftsmodelle gehören zu den anspruchsvollsten Bereichen des Verrechnungspreisrechts.
  • Der Wert entsteht häufig durch immaterielle Werte, Daten, Plattformen und digitales Know-how.
  • Die rechtliche Eigentümerstellung an Software allein reicht heute nicht mehr aus.
  • Finanzverwaltungen analysieren, wo die tatsächliche Wertschöpfung stattfindet und wer Funktionen und Risiken kontrolliert.
  • Internationale Softwarestrukturen sollten frühzeitig strategisch geplant werden.

Die digitale Wirtschaft fordert das Steuerrecht heraus

Das internationale Steuerrecht wurde für eine Wirtschaft aus Fabriken, Lagerhallen und physischen Lieferketten entwickelt. Die digitale Wirtschaft funktioniert anders: Die wertvollsten Unternehmen besitzen wenige materielle Vermögenswerte, ihr Wert entsteht durch Software, Algorithmen, Plattformen, Datenbanken, Netzwerke, Marken, Nutzerdaten und KI.

Wenn ein Unternehmen weltweit Kunden bedient, ohne überall Niederlassungen zu besitzen, stellt sich die Frage: Wo entsteht der Gewinn eigentlich? Genau hier beginnen die Herausforderungen.

Warum Software steuerlich besonders ist

Eine Maschine, ein Lager oder ein Büro lassen sich eindeutig einem Ort zuordnen. Software dagegen kann gleichzeitig weltweit genutzt werden – in Deutschland entwickelt, von einer UAE-Holding gehalten, über eine Gesellschaft in Zypern vermarktet, Kunden in über 100 Ländern.

Der wirtschaftliche Wert lässt sich deshalb nicht so einfach geografisch zuordnen wie bei traditionellen Modellen. Gerade deshalb geraten internationale Softwarestrukturen regelmäßig in den Fokus von Betriebsprüfungen.

Der Mythos der „Software-Holding"

Lange galt: Man gründet eine Gesellschaft in einem Niedrigsteuerland, macht sie zur Eigentümerin der Software, alle anderen zahlen Lizenzgebühren, der Gewinn fließt ins Niedrigsteuerland. Viele historische Strukturen folgen diesem Muster.

Die zentrale Frage lautet nicht mehr „Wer besitzt die Software?", sondern „Wer hat den wirtschaftlichen Wert geschaffen?"

Eine Gesellschaft, die nur als formaler Eigentümer fungiert, erhält heute regelmäßig nicht mehr den gesamten wirtschaftlichen Ertrag.

DEMPE, Entwickler und Daten

Das DEMPE-Konzept (Development, Enhancement, Maintenance, Protection, Exploitation) ist zentral: Wer entwickelt den Code, verbessert die Software, entscheidet über Funktionen, schützt die Technologie, vermarktet die Anwendung und trägt die Risiken? In vielen Softwareunternehmen entsteht der eigentliche Wert dort, wo die Entwickler arbeiten.

Hinzu kommen Daten als eigenständiger Wirtschaftsfaktor: Nutzer-, Kunden-, Verhaltens- und Trainingsdaten für KI. Die Fragen lauten dann zusätzlich: Wer erzeugt, sammelt, analysiert und nutzt die Daten wirtschaftlich? Diese gewinnen bei KI-Modellen zunehmend an Bedeutung.

Wenn klassische Methoden an Grenzen stoßen

Ein proprietärer Algorithmus hat keinen offiziellen Marktwert, eine innovative SaaS-Plattform oft keine direkt vergleichbaren Wettbewerber. Deshalb kommen häufig komplexere Ansätze zum Einsatz: TNMM-Modelle, Profit-Split-Methoden, spezielle Unternehmensbewertungen und wirtschaftliche Funktionsanalysen.

Typische Irrtümer digitaler Unternehmer: „Software kann man beliebig verschieben", „Eine Holding besitzt automatisch alle Gewinne", „Remote-Teams sind steuerlich irrelevant", „Ein Lizenzvertrag löst alle Probleme." Je digitaler ein Modell, desto genauer analysieren Behörden die tatsächlichen Abläufe.

Fazit

Die klassische Betrachtung von Eigentum und Verträgen reicht nicht mehr aus. Software, Daten und Algorithmen lassen sich rechtlich übertragen – die Menschen, die den Wert schaffen, jedoch nicht so einfach verlagern.

Die entscheidende Frage lautet: Welche Gesellschaft schafft den wirtschaftlichen Wert der Software? Besonders sichtbar wird das bei SaaS-Unternehmen – dem Thema des nächsten Artikels.

Fachliche Einordnung

Ihre Situation gehört in fachkundige Hände

Die Fachbibliothek vermittelt Grundlagen. Ihre konkrete Konstellation – mit allen Wohnsitz-, Ansässigkeits- und Strukturfragen – verdient eine individuelle Prüfung.

Jetzt Erstgespräch vereinbaren
Diskret
Persönlich
Ergebnisorientiert