Block 11 · Verrechnungspreise / Transfer Pricing

Verrechnungspreise bei IP-Holdings

Das Wesentliche in Kürze

  • IP-Holdings gehören zu den am häufigsten diskutierten und zugleich am häufigsten missverstandenen internationalen Strukturen.
  • Die bloße rechtliche Eigentümerstellung an Patenten, Marken oder Software rechtfertigt die zugehörigen Gewinne heute regelmäßig nicht mehr.
  • Seit den OECD-BEPS-Reformen stehen die tatsächlichen DEMPE-Funktionen im Mittelpunkt der steuerlichen Analyse.
  • Finanzverwaltungen prüfen, ob eine IP-Holding echte wirtschaftliche Substanz besitzt oder nur als Gewinnsammelstelle fungiert.
  • IP-Holdings sind als strategische Management- und Vermögensstruktur zu verstehen, nicht als reine Steuersparlösung.

Der Traum von der perfekten Lizenzgesellschaft

Die Grundidee erscheint einfach: Eine Gesellschaft hält die wertvollen immateriellen Wirtschaftsgüter einer Gruppe – Marken, Software, Patente, Designs, Technologien, Know-how. Die operativen Gesellschaften zahlen Lizenzgebühren, wodurch erhebliche Gewinne in die rechtehaltende Gesellschaft fließen.

Auf dem Papier wirkt dieses Modell elegant. In der Praxis ist die Realität deutlich komplexer geworden, denn der Wert moderner Unternehmen entsteht immer häufiger durch immaterielle Vermögenswerte – und wer diese kontrolliert, kontrolliert die profitabelsten Teile des Geschäfts.

Der historische Denkfehler und die BEPS-Wende

Lange galt: Die Gesellschaft, die das geistige Eigentum besitzt, erhält die entsprechenden Gewinne. Doch die OECD fragte zunehmend, ob die rechtliche Eigentümerstellung allein ausreicht. Die Antwort lautete nein, denn Eigentum allein erzeugt keinen wirtschaftlichen Wert.

Mit dem BEPS-Projekt verschob sich der Fokus vom formalen Eigentum hin zur tatsächlichen Wertschöpfung. Genau an dieser Stelle kommt das DEMPE-Konzept ins Spiel.

DEMPE als Kern jeder IP-Holding

Bei immateriellen Wirtschaftsgütern prüfen Finanzverwaltungen die Funktionen Development, Enhancement, Maintenance, Protection und Exploitation.

  • Wer entwickelt die Technologie?
  • Wer verbessert sie?
  • Wer pflegt sie?
  • Wer schützt sie?
  • Wer nutzt sie wirtschaftlich?

Eine reine Briefkasten-IP-Holding ohne Mitarbeiter, ohne Entscheidungen, ohne Risikokontrolle und ohne wirtschaftliche Funktionen hat erhebliche Schwierigkeiten, hohe Lizenzgewinne zu rechtfertigen. Je größer die Gewinne, desto kritischer die Prüfung.

Marken- und Software-IP-Holdings als Sonderfälle

Bei Marken-Holdings stellt sich die Frage, wer die Marke aufgebaut hat. Häufig entstehen Markenwerte durch Marketing, Vertrieb, Produktqualität und Kundenerfahrung – also in den operativen Gesellschaften.

Bei Software kann eine Holding formal Eigentümerin des Quellcodes sein, während die Entwickler in mehreren Ländern sitzen. Dann stellt sich die Frage, wie viel Wert durch die Eigentümergesellschaft und wie viel durch die Entwicklerteams entsteht. Genau hier entstehen Diskussionen mit Finanzverwaltungen.

Fazit

Die Zeiten, in denen die bloße Eigentümerstellung ausreichte, sind weitgehend vorbei. Heute stehen wirtschaftliche Funktionen, Risikokontrolle und tatsächliche Wertschöpfung im Mittelpunkt.

Die entscheidende Frage lautet nicht „Wer besitzt das geistige Eigentum?", sondern „Wer schafft, entwickelt, schützt und kontrolliert dessen wirtschaftlichen Wert?" Wer das überzeugend beantwortet, besitzt die Grundlage für eine belastbare IP-Struktur.

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