Block 11 · Verrechnungspreise / Transfer Pricing

Verrechnungspreise einfach erklärt

Das Wesentliche in Kürze

  • Verrechnungspreise regeln die Preisgestaltung zwischen verbundenen Unternehmen.
  • Sie gehören zu den wichtigsten und am häufigsten geprüften Themen des internationalen Steuerrechts.
  • Fast jede internationale Unternehmensgruppe nutzt Verrechnungspreise – bewusst oder unbewusst.
  • Ziel ist die faire Zuordnung von Gewinnen zwischen verschiedenen Ländern.
  • Der Grundsatz lautet: Verbundene Unternehmen sollen sich verhalten wie unabhängige Dritte.

Das unterschätzte internationale Steuerthema

Viele Unternehmer beschäftigen sich intensiv mit Körperschaftsteuer, Holdingstrukturen, Wegzug und Doppelbesteuerungsabkommen. Dabei übersehen sie häufig das Thema, das in internationalen Betriebsprüfungen regelmäßig die größte Rolle spielt: Verrechnungspreise.

Für internationale Unternehmensgruppen sind sie oft bedeutender als die Wahl des Standorts selbst.

Was sind Verrechnungspreise?

Verrechnungspreise sind Preise zwischen verbundenen Unternehmen. Wenn zwei Gesellschaften demselben Unternehmer oder Konzern gehören und miteinander Geschäfte machen, entsteht ein Verrechnungspreis.

  • eine Holding verrechnet Managementleistungen,
  • eine Lizenzgesellschaft berechnet Lizenzgebühren,
  • eine Finanzierungsgesellschaft vergibt Darlehen,
  • eine Produktionsgesellschaft verkauft Waren an eine Vertriebsgesellschaft.

Der dabei verwendete Preis ist der Verrechnungspreis.

Warum es Verrechnungspreisregeln gibt

Ohne Verrechnungspreisregeln könnten internationale Gruppen Gewinne relativ einfach verschieben: Eine verbundene Gesellschaft stellt überhöhte Rechnungen, der Gewinn sinkt im Hochsteuerland und steigt im Niedrigsteuerland.

Genau deshalb existieren Verrechnungspreisvorschriften. Sie sollen sicherstellen, dass Gewinne dort besteuert werden, wo die Wertschöpfung stattfindet.

Das Grundprinzip: der Fremdvergleich

Die internationale Steuerwelt folgt einem zentralen Grundsatz – dem Fremdvergleichsgrundsatz (Arm’s Length Principle). Er fragt:

Welchen Preis hätten zwei unabhängige Unternehmen vereinbart?

Genau dieser Preis soll grundsätzlich auch zwischen verbundenen Unternehmen gelten – nicht mehr und nicht weniger.

Der größte Irrtum

Der häufigste Denkfehler lautet: „Unsere Gesellschaften gehören alle uns selbst – also können wir die Preise frei festlegen." Steuerlich ist genau das nicht der Fall.

Verbundene Unternehmen müssen sich grundsätzlich so verhalten, als wären sie unabhängige Marktteilnehmer. Verrechnungspreise sollten deshalb bereits beim Aufbau einer Struktur berücksichtigt werden – nicht erst bei ihrer Verteidigung in der Betriebsprüfung.

Fazit

Verrechnungspreise regeln die Preisgestaltung zwischen verbundenen Unternehmen und zählen zu den wichtigsten Bereichen des internationalen Steuerrechts. Ziel ist die fremdübliche Verteilung von Gewinnen zwischen Gesellschaften und Staaten.

Der nächste Artikel klärt, warum es diese Regeln überhaupt gibt und welche wirtschaftliche Logik dahintersteht.

Fachliche Einordnung

Ihre Situation gehört in fachkundige Hände

Die Fachbibliothek vermittelt Grundlagen. Ihre konkrete Konstellation – mit allen Wohnsitz-, Ansässigkeits- und Strukturfragen – verdient eine individuelle Prüfung.

Jetzt Erstgespräch vereinbaren
Diskret
Persönlich
Ergebnisorientiert