Block 11 · Verrechnungspreise / Transfer Pricing

Die Wiederverkaufspreismethode

Das Wesentliche in Kürze

  • Die Wiederverkaufspreismethode (Resale Price Method) ist eine klassische OECD-Methode.
  • Sie wird vor allem bei Vertriebsgesellschaften eingesetzt.
  • Ausgangspunkt ist der Verkaufspreis an den Endkunden, nicht der Einkaufspreis.
  • Von diesem Verkaufspreis wird eine fremdübliche Vertriebsmarge abgezogen.
  • Sie eignet sich für Unternehmen mit begrenzten Funktionen und Risiken im Vertrieb.

Wenn der Verkaufspreis bekannt ist

Die CUP-Methode beginnt mit einem Marktpreis, die Kostenaufschlagsmethode mit den Kosten. Die Wiederverkaufspreismethode geht einen dritten Weg: Sie startet beim Verkauf an den Kunden.

Genau deshalb wird sie besonders häufig im Vertriebsbereich eingesetzt.

Die Grundformel

Die Methode rechnet rückwärts:

Verkaufspreis an Kunden − fremdübliche Vertriebsmarge = fremdüblicher Verrechnungspreis

Verkauft eine Vertriebsgesellschaft ein Produkt für 100 Euro und erzielen vergleichbare Händler 20 % Marge, ergibt sich ein fremdüblicher Einkaufspreis von 80 Euro.

Wann die Methode eingesetzt wird

Sie eignet sich besonders für Vertriebsgesellschaften, Handelsunternehmen, Distributoren und Großhändler mit Routinefunktionen, begrenzten Risiken, ohne bedeutende immaterielle Werte und mit standardisierten Vertriebsleistungen.

Besonders häufig wird sie bei sogenannten Limited-Risk-Distributoren angewendet, die Produkte verkaufen, aber nur begrenzte Risiken tragen und keine wesentlichen immateriellen Werte besitzen.

Warum die Vertriebsmarge entscheidend ist

Der wichtigste Faktor ist die Wiederverkaufsmarge. Die zentrale Frage lautet: Welche Marge erzielt ein unabhängiger Händler in vergleichbarer Situation? Dazu werden Vergleichsunternehmen analysiert.

In der Praxis wird selten über den Verkaufspreis gestritten – den bestimmt der Markt –, sondern über die Marge, weil schon kleine Unterschiede erhebliche Auswirkungen auf die Gewinnverteilung haben.

Die Grenzen der Methode

Probleme entstehen bei einzigartigen Produkten, bedeutenden Marken und umfangreichen Marketingfunktionen. Zwei Händler verkaufen je für 100 Euro – der eine eine unbekannte, der andere eine Luxusmarke. Würden beide dieselbe Marge erzielen? Vermutlich nicht.

Nicht jede Vertriebsgesellschaft erzielt dieselbe Marge – Funktionen und Risiken entscheiden.

Deshalb basiert auch die RPM auf der FAR-Analyse, bevor die angemessene Marge bestimmt wird.

Fazit

Die Wiederverkaufspreismethode bestimmt den fremdüblichen Einkaufspreis, indem sie vom Endverkaufspreis eine fremdübliche Vertriebsmarge abzieht. Sie ist eine der wichtigsten Methoden für Vertriebsstrukturen.

Mit den drei transaktionsbezogenen Methoden ist die erste Methodengruppe abgeschlossen. Der nächste Artikel widmet sich der heute meistgenutzten gewinnorientierten Methode: der Nettomargenmethode (TNMM).

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