Block 11 · Verrechnungspreise / Transfer Pricing

Die Kostenaufschlagsmethode

Das Wesentliche in Kürze

  • Die Kostenaufschlagsmethode (Cost Plus) gehört zu den klassischen OECD-Methoden.
  • Sie basiert auf den tatsächlichen Kosten zuzüglich eines fremdüblichen Gewinnaufschlags.
  • Besonders häufig wird sie bei Dienstleistungen, Auftragsfertigung und Servicegesellschaften eingesetzt.
  • Sie eignet sich vor allem für Routinefunktionen mit begrenztem Risiko.
  • Entscheidend sind die korrekte Kostenbasis und ein angemessener Aufschlag.

Wenn der Marktpreis nicht sichtbar ist

Die CUP-Methode funktioniert, wenn ein Marktpreis existiert. Doch was, wenn es keinen vergleichbaren Marktpreis gibt – etwa bei internen Dienstleistungen, Shared-Service-Centern, Auftragsfertigern oder Verwaltungsfunktionen?

In solchen Fällen wird häufig die Kostenaufschlagsmethode eingesetzt. Sie gehört weltweit zu den am häufigsten verwendeten Methoden.

Die Grundidee

Zunächst werden die Kosten einer Leistung ermittelt, anschließend wird ein fremdüblicher Gewinnaufschlag hinzugefügt:

Kosten + angemessener Gewinnaufschlag = Verrechnungspreis

Ein unabhängiges Unternehmen arbeitet nicht zum Selbstkostenpreis – es will Gewinn erzielen. Verursacht eine Servicegesellschaft 100.000 Euro Kosten und liegt der übliche Aufschlag bei 10 %, beträgt der Verrechnungspreis 110.000 Euro.

Wann die Methode eingesetzt wird

Sie eignet sich besonders für Dienstleistungen (Buchhaltung, IT, Personal, Verwaltung, Backoffice), Auftrags- und Lohnfertigung sowie Routinefunktionen mit standardisierten Tätigkeiten und begrenzten Entscheidungsbefugnissen.

Gerade Gesellschaften, die wirtschaftlichen Wert schaffen, aber keine wesentlichen Markt- oder Entwicklungsrisiken tragen – etwa Shared-Service-Center oder Auftragsfertiger –, werden häufig über eine stabile Kostenvergütung abgebildet.

Die zentrale Herausforderung: die Kostenbasis

Die Kosten lassen sich meist leicht ermitteln, der Aufschlag nicht. Doch in Betriebsprüfungen liegt der Streitpunkt oft nicht beim Aufschlag, sondern bei den Kosten. Schon kleine Veränderungen der Kostenbasis haben erhebliche Auswirkungen.

  • Welche Gemeinkosten werden einbezogen?
  • Welche Personalkosten sind relevant?
  • Werden Abschreibungen berücksichtigt?
  • Wie werden indirekte Kosten verteilt?

Jede Cost-Plus-Analyse beginnt deshalb mit einer sauberen Kostenabgrenzung.

Die Grenzen bei immateriellen Werten

Die Methode stößt an Grenzen, wenn bedeutende immaterielle Werte vorhanden sind – bekannte Marken, Patente, Software, einzigartige Technologien. Hier spiegeln die Kosten oft nicht den tatsächlichen wirtschaftlichen Wert wider.

Ein Auftragsfertiger ohne eigene Marke und ohne Marktrisiko passt gut zu Cost Plus; eine markenstarke Gesellschaft dagegen nicht.

Fazit

Die Kostenaufschlagsmethode basiert auf tatsächlichen Kosten plus fremdüblichem Aufschlag und eignet sich für Dienstleistungen, Shared-Service-Center und Routinefunktionen. Wer sie anwendet, muss vor allem die wirtschaftliche Rolle der Gesellschaft und die Kostenbasis verstehen.

Eine dritte klassische Methode betrachtet den Absatzmarkt. Der nächste Artikel behandelt die Wiederverkaufspreismethode.

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