Finanzierungsgesellschaften und CFC
Das Wesentliche in Kürze
- Finanzierungsgesellschaften erzielen typischerweise Zinsen – ein Kernfall passiver Einkünfte.
- Konzerninterne Finanzierung ohne echte Funktion ist besonders CFC-anfällig.
- Zinsen sind nur in engen Ausnahmen aktiv, etwa bei einem echten, eingerichteten Bankbetrieb.
- Niedrig besteuerte Konzernbanken in Steueroasen sind ein klassischer Hinzurechnungsfall.
- Echte Substanz im Finanzbereich verlangt mehr als einen Geschäftsführer und ein Konto.
Zinsen als Prototyp passiver Einkünfte
Zinsen entstehen aus der bloßen Überlassung von Kapital. Es braucht keine Produktion, keinen Vertrieb, keine standortgebundene Tätigkeit. Damit sind sie der Inbegriff passiver Einkünfte.
Eine Gesellschaft, deren Geschäft im Verleihen von Geld besteht, ist deshalb fast automatisch CFC-relevant, wenn sie niedrig besteuert und beherrscht ist.
Die typische Konzernfinanzierungsstruktur
Ein häufiges Modell: Eine Finanzierungsgesellschaft in einem Niedrigsteuerland vergibt Darlehen an Konzerngesellschaften und vereinnahmt dafür Zinsen. Der Zinsaufwand mindert Gewinne in Hochsteuerländern, der Zinsertrag landet niedrig besteuert im Ausland.
Geld im Konzern im Kreis zu verleihen schafft keine echte wirtschaftliche Tätigkeit.
Diese Konstellation ist ein Hauptziel der Hinzurechnungsbesteuerung.
Wann Finanzeinkünfte aktiv sein können
Der Aktivkatalog erkennt den Betrieb von Kreditinstituten an – aber nur bei einem in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb. Eine echte Bank mit Personal, Lizenz, Risikomanagement und externem Geschäft kann aktiv sein.
Eine reine Konzernfinanzierungsgesellschaft erfüllt diese Anforderungen typischerweise nicht. Ihr fehlt der echte Bankbetrieb.
Die Substanzanforderungen im Finanzbereich
Substanz im Finanzbereich ist anspruchsvoll. Gefordert sind unter anderem:
- qualifiziertes Personal mit Finanzkompetenz,
- eigenes Risiko- und Liquiditätsmanagement,
- echte Entscheidungsfindung über Kreditvergaben,
- eine angemessene Kapital- und Organisationsausstattung.
Ein Geschäftsführer und ein Bankkonto genügen nicht.
Zusätzliche Schranken
Neben der Hinzurechnung greifen oft weitere Regeln: die Zinsschranke begrenzt den Zinsabzug, und Anti-Hybrid-Regeln können bestimmte Gestaltungen neutralisieren. Finanzierungsstrukturen stehen damit mehrfach unter Beobachtung.
Wer konzernintern finanziert, muss all diese Ebenen zusammen denken.
Fazit
Finanzierungsgesellschaften erzielen mit Zinsen einen Kernfall passiver Einkünfte. Nur ein echter, eingerichteter Bankbetrieb mit Substanz kann aktiv sein; reine Konzernfinanzierung in Niedrigsteuerländern wird hinzugerechnet.
Der nächste Artikel betrachtet einen Gesellschaftstyp, der zwischen aktiv und passiv changiert: Managementgesellschaften.
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